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Granit schwimmende Steingugel hydrostatische Kugel Lagerung Zimmerbrunnen 

Faszination Stein

"Steine träumen- mit ihnen zu arbeiten bedeutet ein Stück Aufwachen- für den Stein und den Menschen."

-Wilfred Hewel-

Schon immer hat mich der Werkstoff Stein interessiert. Bei den Steinmetzen an den Friedhöfen habe ich staunend über die Zäune geschaut und mich an der Vielfalt der Steinsorten und deren Verarbeitung erfreut. Im Nachhinein bin ich erstaunt wie lange es gedauert hat, meinen Wunsch zu erkennen, die Bearbeitung dieses anspruchsvollen Materials einmal selbst zu versuchen. Im Herbsturlaub 2002 war es endlich so weit, in Bayerisch Gmain bei Rita und Bruno. Rita ist meine Schwester, Ihr Partner Bruno ist Bildhauer. So war ich also in besten Händen und war auch bereit mir schmerzende Arme und Hände zu holen.

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Der Arbeitsplatz

Klopf, klopf, klopf - 2,5 Tage lang!

Danach war Schleifen und Polieren angesagt- alles in echter Handarbeit! 

 

 

Mein Erstlingswerk!

Den Rohling hatte ich mir schon vor Jahren von einem Ostsee-Segeltörn mitgebracht. Eine Halbkreisschablone war schnell gemacht und den Stockhammer mit auswechselbaren Schlagflächen (Schlagprofilen) stellte Bruno zur Verfügung.

In immer feineren Stufen wurden sieben verschiedene Körnungen Schmirgelpapier verwendet. Zum Schluss eine Schleifpaste. 

Was ist schöner?

Ich finde den Kontrast zwischen beiden Gebilden spannend. 

Zirkel und Lineal stehen gegen die Formen der Natur.

Vogeltränke

Aus einem Steinbruch am Untersberg in Österreich stammt diese Marmorplatte, die ich mir kostenlos aus den Steinbruchabfällen aussuchen durfte. Inzwischen baden sogar die Vögel darin!

 

Granit-Pflasterstein

aus dem Baumarkt, für 1,00 Euro. Um beim Arbeiten mehr Gefühl für das Material Stein zu bekommen habe ich dieses Objekt realisiert. Prompt ist beim schärfen der Übergangskanten trotz zartester Schläge mit dem Holz-Knüpfel die Halbkugel vom Unterstein abgesprungen. Dank Fliesenkleber konnte das Gebilde erhalten bleiben.

Auf zu größeren Taten!

Diese Steinkugel soll sich irgendwann auf einem Wasserfilm drehen. Ob es gelingt? Zurzeit stolpere ich von einer "Erkenntnis" in die andere.

Der Unterstein war einst eine Tränke und bereits (leider nur halbwegs!) kugelförmig ausgearbeitet. Die Granitkugel (25 cm Durchmesser,  22 Kg schwer) habe ich in einem Baumarkt für 62 Euro erworben. Die Kugel war allerdings auch nur ein Rohling, denn von einer Idealform war sie weit entfernt. Mit nebenstehend gezeigter verstellbarer Haltekonstruktion wurden beide Teile über Bohrmaschinen-Antrieb eingeschliffen. Dabei traten große Unwucht-Fliehkräfte auf, die mich manchmal ängstigten!

Präzision ist gefragt!

Ein erster Wassertest hatte ergeben, dass die Kugel wohl auf dem Wasserfilm aufschwamm, aber sich nur horizontal auf fortlaufende Drehungen einließ. In vertikaler Richtung blieb sie infolge Unwucht sofort stehen. Ein technisches Hilfsmittel musste also her, um sich der Idealform anzunähern. Ein Brainstorming mit meinem Vater, meinem Bruder Harry und mir führte schließlich zu dieser Lösung.

Vom Schrottplatz

sind Druckkugellager und die massiven Scheiben aus Aluminium. Auf seiner Drehbank hat Harry mir die Aufnahme für den Stein hergestellt.

 

Ob's funktioniert?

Neben der enormen Geräuschbelästigung durch den Winkelschleifer fällt auch eine Menge Staub an. Gastrecht genieße ich für diese lauten und sehr staubigen Arbeiten auf dem Gut Hombroich in Neuss (neben der Museums-Insel, mit Hofladen, Verkauf von Äpfeln, Birnen, Kartoffeln -aus eigenem Anbau- , so wie Eier, Spargel, Porree, Sellerie u.v.a.m.) sehr empfehlenswert!

Es hat nicht funktioniert!

Das Blatt flatterte und geriet bei leichtem Seitendruck ins Schwingen und hat dadurch kräftige Macken in die Kugel geschlagen. Gut, dass ich viele Brüder habe. Alwin stellte mir die auf dem nächsten Bild gezeigte Diamanten-Topfschleifscheibe zur Verfügung.

Mit dieser "Wunderscheibe" hat es geklappt!

Aufgrund des kleinen Durchmessers und der räumlichen Ausbildung der Schleifscheibe war die zuvor fehlende Steifigkeit der Scheibe gewährleistet. Relativ schnell waren die zuvor geschlagenen Scharten "ausgebügelt". Erneutes Einschleifen der Kalotte war erforderlich, da die Kugel ja nun kleiner geworden war.

Kugelbrunnen für den Garten

Auf einem Wasserfilm gelagert, erzeugt durch eine Pumpe, soll diese Kugel sich permanent drehen. Am 17.3.03 ist der Test (mit Wasserschlauch von der Wasserleitung) positiv verlaufen. Riesige Freude trat ein, da einige Fachleute dies bezweifelt hatten, dass einem Amateur diese Präzision gelingt.

Beide Steine ruhen demnächst auf einem Unterstein.

Das ist er nun, der Unterstein!

Er hat die Abmessungen 45 x 90 cm. Seine Funktion wird sein, das vom Oberstein überlaufende Wasser aufzufangen und es über einen Überlauf in den darunter befindlichen Behälter zu leiten. 

 

Bis dahin ist aber noch viel Arbeit!!! 

Das Bild zeigt die Rückseite des Steines, da es sich hierbei um einen ausrangierten Grabstein mit Inschrift handelt.

Arbeit, die sehr viel Spaß gemacht hat!

Die drei kleinen Pyramiden sollen den Kalottenstein tragen . Das große Loch ist der Überlauf, durch den das Wasser wieder in den unterirdischen Auffangbehälter zum Endlos-Kreislauf geleitet wird. Im vorderen Teil ist eine Vogeltränke integriert.

Der Farbunterschied zum vorigen Bild ist durch die Nässe begründet.

 

 

Am Ziel meiner Sehnsüchte!

Mit einer Fernbedienung im Wohnzimmer kann ich den Kugelbrunnen nun aktivieren. Am schwierigsten war es die Leistungsanforderung der Pumpe zu bestimmen (die Fachverkäufer in den Läden waren ausnahmslos überfordert!).

Wieder einmal: Selbst ist der Mann! Entscheidend war die Erkenntnis, dass die Kugel schwimmen muss. Ein Objekt schwimmt, wenn es im Umgebungsmedium weniger Volumen verdrängt als es selbst an Volumen besitzt. Hieraus kann man die Frage ableiten: Wie viel Druck muss im Umgebungsmedium (mit kleinerem Volumen) vorhanden sein, damit die Kugel schwimmt? Die Berechnung dessen ist simpel! Nämlich das Gewicht der Kugel (in Kg) dividiert durch das Volumen der Kalotte (in cm 3) ergibt das "spezifische Gewicht" (den Druck!) in Kg/cm3 . In meinem Fall waren es 21,6 Kg/2265cm3 = 0.0095353 Kg/cm3 . Auf das Umgebungsmedium "Wasserdruck" bezogen entspricht das einer Wassersäule von 9,5353 m (entsprechend 0,95353 bar). Mit  a = Radius der Kalotte und h = Tiefe der Kalotte ergibt sich das Volumen der Kalotte zu: V = 3,14159  *  h  /  6  (3 *  a * a  + h * h) . Der Wasserdurchfluss (Fördermenge der Pumpe) ist sehr stark von der Präzision der Kugel- und Kalottenform abhängig. Je ungenauer diese gearbeitet sind, je dicker muss der Wasserfilm sein auf dem die Kugel schwimmt. In meinem Falle brauche ich 10 l/min . Die Pumpe (mit Rücksicht auf die Nachbarn) ist eine flüsternd leise Gartenpumpe von Gardena. Sie ist im Gebüsch versteckt und die Leitungen sind im Rasen vergraben. Die Leistung der Pumpe habe ich mit einem Absperrhahn gedrosselt.

Zwischendurch

bin ich öfters mal zur Friedhofskippe gegangen! Es ist wirklich ein Jammer, was dort für schöne Steine geschreddert werden! Dieses Exemplar habe ich der Nachwelt  - wenn auch verändert und zweckentfremdet -  erhalten. Durchschneiden, Senke ausmeißeln und Loch für den Wasserhahn bohren waren nach 5 h erledigt.

Basaltlava 

ist das Material dieser ehemaligen Grabeinfassung, die nun mein Erstlingswerk so schön hervorhebt.

 

 

 

 

Wird fortgesetzt !

Das meiste Holz

habe ich sicherlich weggestemmt, aber die entscheidenden, formgebenden Hiebe wurden wohl vom Meister (Bruno) gemacht. 

 

Der etwas gekrümmte Ahorn-Ast ist ein Beutestück, das ich mir 19xx beim Baumschnitt (bei Alwin in Schweden) reserviert hatte. Das Holz ist von der Konsistenz her zum Schnitzen hervorragend geeignet!

 

Zwei Objekte aus dem Herbsturlaub  2003

Bei dieser Rosette ging es hauptsächlich darum, das Arbeiten mit dem Kompressor zu erlernen.

Schwierig war es für mich eine konstante (langsame!) Schlagfolge einzuhalten und einen sinnvollen Anstellwinkel des Meißels zu finden. Zu diesem Zweck habe ich erst die Rückseite (schadhafte Seite) des Steines bearbeitet. Die "gute" Seite werde ich dann bei der nächsten  "Bayerisch Gmainer Herbstakademie" verzieren.

Bruno, Bruno, Bruno!

Es war Bruno, der diesen Stein gefunden hat. Es war Bruno der vorgeschlagen hat, die gegebene Form des Steines beizubehalten  Es war Bruno der vorgeschlagen hat, dem Stein entsprechend ein  ueriges Gesicht zu meißeln.

 

Es hat wieder viel Spaß gemacht einen Profi-Arbeitsplatz benutzen zu dürfen!

Kugelbrunnen Nr. 2 in Arbeit

Es war klar, dass noch etwas folgen würde! Nachdem die Technik ergründet war, lag es auf der Hand die erlernte Technik noch einmal umzusetzen.

Wieder vom Friedhof kommt der Unterstein

Eine elegante Variante ist dieser Kugelbrunnen mit integriertem Wasser-Auffangbecken.

Aus der Saalach (Bad Reichenhall)

stammt dieser Rohling, der als Unterstein für einen weiteren Kugelbrunnen dienen soll. Auch er ist ein Mitbringsel aus dem Herbsturlaub 2003. Der Kalottendurchmesser beträgt ca. 22 cm, die Tiefe ca. 11 cm. Daraus wurde nun der ....

... Kugelbrunnen Nr. 3

Heinz Gisbertz (MG-Rheydt) hat es sich nicht nehmen lassen, den Unterstein (ebenfalls vom Neusser Friedhof) selbst auszuhöhlen.

Die elegante Einfassung gibt dem Kugelbrunnen einen würdigen Rahmen.

Hebeanlage

Um unabhängig von Fremdhilfe zu sein, habe ich mir diese mobile Hebeanlage zugelegt. Zwei ausziehbare Gerüstböcke mit einem Kantholz bilden das Gerüst, während Seilwinde und Spanngurt es ermöglichen, das schwere Steinmaterial auf Arbeitshöhe zu heben bzw. auch wieder abzusenken.

                          Hebeanlage im Detail

Mit relativ geringen Kosten waren die Einzelbauteile im Obi-Baumarkt zu erstehen.

Das Objekt ist ein Grabkissen vom Stoffeler Friedhof in Düsseldorf, dessen Oberfläche ursprünglich in "Schweißbrenner-Technik" bearbeitet worden war. Ich habe diesen wunderschön "knubbeligen"  Stein vor dem Schredder gerettet und auf der Inschriftseite eine Vogeltränke eingemeißelt.

Nun wird der Aufstellplatz in unserem Garten langsam knapp!

 

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Erstellt am 18.01.03 Letzte Änderung am 03.08.06       

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